Impostor-Phänomen
Das Gefühl, den eigenen Erfolg nicht verdient zu haben und irgendwann aufzufliegen.
Das Impostor-Phänomen ist die anhaltende Überzeugung, den eigenen Erfolg nicht verdient zu haben, obwohl objektive Belege dafür sprechen. Betroffene schreiben Erfolge dem Glück, dem Timing oder anderen Menschen zu und fürchten, als Hochstapler entlarvt zu werden. Es ist keine Diagnose und gerade unter leistungsstarken Menschen verbreitet.
Zuletzt aktualisiert: 20.09.2026 · Redaktionell verantwortet von der MindBright Redaktion
Ein stabiles Muster von Selbstzweifeln, das Erfolge abwertet und Scheitern erwartet.
Keine Bescheidenheit und keine realistische Selbsteinschätzung. Die Belege sprechen gegen das Gefühl.
Weil es Menschen mit hoher Verantwortung dazu bringt, sich zu überarbeiten oder Chancen auszuschlagen.
Herkunft und Forschung
Die Psychologinnen Pauline Clance und Suzanne Imes beschrieben das Phänomen 1978 bei erfolgreichen Frauen, die ihre Leistungen trotz Abschlüssen, Auszeichnungen und Anerkennung für unverdient hielten. Spätere Studien fanden es auch bei Männern, in vielen Berufen und auf allen Hierarchiestufen. Clance und Imes wählten bewusst das Wort Phänomen, um zu betonen, dass es sich um keine psychische Störung handelt.
Eine Übersichtsarbeit von Dena Bravata und Kollegen wertete 2020 insgesamt 62 Studien aus. Sie fand Zusammenhänge mit Burnout, Depressivität und geringerer Arbeitszufriedenheit. Untersucht wurden unter anderem Studierende, Ärztinnen und Ärzte sowie Beschäftigte in Unternehmen. Wie häufig das Phänomen ist, hängt stark von der Messmethode ab.
Für Leistungsträger
Mit jeder Beförderung wächst die Fallhöhe und mit ihr oft das Gefühl, nur durch Zufall hier zu sein. Viele Führungskräfte reagieren darauf mit Mehrarbeit: noch eine Vorbereitung, noch ein Durchgang, damit niemand etwas merkt. Gelingt die Aufgabe, schreiben sie den Erfolg der Mehrarbeit zu, und das Gefühl bleibt.
Hilfreich ist ein nüchterner Blick auf die Belege. Schreib auf, welche Entscheidungen der letzten Monate aufgegangen sind und welchen Anteil du daran hattest. Das Gefühl verschwindet dadurch nicht sofort, es bekommt aber eine Gegenrechnung. Diese Liste ist besonders vor der nächsten großen Aufgabe wertvoll.
Abgrenzung
vs. Perfektionismus
Perfektionismus setzt den Maßstab zu hoch. Das Impostor-Phänomen zweifelt daran, den Maßstab erreicht zu haben, auch wenn es längst so ist.
vs. Bescheidenheit
Bescheidenheit ist eine Haltung nach außen. Das Impostor-Phänomen ist eine Überzeugung nach innen und geht mit der Angst einher, entlarvt zu werden.
vs. Selbstwirksamkeit
Selbstwirksamkeit ist die Erwartung, etwas bewirken zu können. Das Impostor-Phänomen hält auch bereits Bewirktes für Zufall.
Häufige Fragen
Was ist das Hochstapler-Syndrom?
Ein anderer Name für das Impostor-Phänomen: die Überzeugung, den eigenen Erfolg nicht verdient zu haben und irgendwann aufzufliegen. Das Wort Syndrom ist irreführend, denn eine medizinische Diagnose ist damit nicht verbunden.
Wer ist vom Impostor-Phänomen betroffen?
Menschen in vielen Berufen und auf allen Karrierestufen, besonders nach dem Wechsel in eine neue Rolle. Auffällig oft trifft es Menschen, die objektiv erfolgreich sind. Übersichtsarbeiten berichten je nach Messmethode sehr unterschiedliche Häufigkeiten.
Wie werde ich das Impostor-Gefühl los?
Indem du ihm Belege entgegensetzt, etwa eine schriftliche Liste gelungener Entscheidungen mit deinem Anteil daran. Hilfreich ist auch das Gespräch mit Menschen in ähnlichen Rollen, denn viele kennen das Gefühl.
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