Yerkes-Dodson-Gesetz
Der Zusammenhang zwischen Anspannung und Leistung: Zu wenig lähmt, zu viel ebenfalls.
Das Yerkes-Dodson-Gesetz beschreibt den Zusammenhang zwischen Aktivierung und Leistung als umgekehrte U-Kurve. Mit steigender Anspannung nimmt die Leistung zunächst zu, erreicht ein Optimum und sinkt danach wieder. Bei komplexen Aufgaben liegt dieses Optimum niedriger als bei einfachen. Das Gesetz geht auf Tierversuche aus dem Jahr 1908 zurück.
Zuletzt aktualisiert: 20.09.2026 · Redaktionell verantwortet von der MindBright Redaktion
Ein Modell für die passende Dosis Druck, bei der Wachheit und klares Denken zusammenkommen.
Kein exaktes Naturgesetz. Es ist ein Denkmodell mit begrenzter Beweislage.
Weil es anschaulich macht, warum mehr Druck ab einem bestimmten Punkt zu schlechteren Entscheidungen führt.
Herkunft und Forschung
Die Psychologen Robert Yerkes und John Dodson untersuchten 1908, wie schnell Mäuse lernen, zwischen einer hellen und einer dunklen Kammer zu unterscheiden. Falsche Wahlen waren mit elektrischen Reizen unterschiedlicher Stärke verbunden. Bei schwierigen Unterscheidungen lernten die Tiere mit mittlerer Reizstärke am schnellsten. Bei leichten Unterscheidungen half dagegen ein stärkerer Reiz.
Die bekannte Kurve zwischen Stress und Leistung ist eine spätere Verallgemeinerung. Karl Halvor Teigen zeichnete 1994 nach, wie stark das Gesetz im Laufe der Jahrzehnte umgedeutet wurde. Als Denkmodell ist es nützlich, als exakte Vorhersage eignet es sich nicht.
Für Leistungsträger
Die Kurve gibt dir einen Maßstab für die Selbstbeobachtung. Wo liegt dein Optimum bei Routineaufgaben, und wo bei Entscheidungen mit vielen Unbekannten? Die Antwort ist individuell und zeigt sich über einige Wochen. Bei komplexen Aufgaben kippt die Leistung früher, und genau dort schadet zusätzlicher Druck am meisten.
Plane komplexe Entscheidungen in Zeitfenster mit mittlerer Anspannung: wach, konzentriert und ohne Zeitnot. Wer eine Strategiefrage zwischen zwei Eskalationen klären will, arbeitet jenseits des Optimums. Für Routineaufgaben darf der Takt dagegen höher sein, dort hilft etwas Druck sogar.
Abgrenzung
vs. Leistungsdruck
Leistungsdruck ist eine Quelle der Anspannung. Das Yerkes-Dodson-Gesetz beschreibt, wie diese Anspannung auf die Leistung wirkt.
vs. Eustress
Eustress bezeichnet anregenden Stress. Er entspricht grob dem ansteigenden Teil der Kurve vor dem Optimum. Der Begriff geht auf den Stressforscher Hans Selye zurück.
vs. Stressresilienz
Stressresilienz verschiebt, vereinfacht gesagt, die Kurve: Wer belastbarer ist, bleibt auch bei höherer Anspannung länger im Bereich guter Leistung.
Häufige Fragen
Was besagt das Yerkes-Dodson-Gesetz?
Dass die Leistung mit wachsender Anspannung zunächst steigt und ab einem bestimmten Punkt wieder sinkt. Bei schwierigen Aufgaben liegt dieser Punkt früher als bei einfachen. Grafisch ergibt sich eine umgekehrte U-Kurve. Übertragen wird das Modell heute vor allem auf Stress im Beruf.
Ist Stress gut für die Leistung?
In moderater Dosis ja, denn er erhöht Aufmerksamkeit und Einsatz. Wird er zu stark, sinken Konzentration und Entscheidungsqualität. Wo die Grenze liegt, hängt von der Aufgabe und von der Person ab. Anhaltend hohe Anspannung senkt die Leistung zusätzlich, weil die Erholung fehlt.
Ist das Yerkes-Dodson-Gesetz wissenschaftlich belegt?
Das Originalexperiment von 1908 beruht auf Versuchen mit Mäusen. Die spätere Übertragung auf Stress und menschliche Leistung ist plausibel, als exaktes Gesetz aber nicht belegt. Nützlich ist es als Denkmodell.
Verwandte Begriffe
5 Tage Klarheit unter Druck
Fünf Werkzeuge für mentale Stärke, die du sofort einsetzen kannst. Jeden Tag eine reale Situation, eine wirksame Lösung und die Forschung dahinter.
- Unter Druck bewusster entscheiden
- Jeden Morgen ein Werkzeug, am selben Tag anwendbar
- Mit der Forschung, die zeigt, warum es wirkt
Verstehen ist der erste Schritt. Machen der zweite.
Eine Frage am Tag, deine Antwort, dein Feedback.
Kostenlos starten →